KiTa in S. Paulo

Die Kindertagesstätte Madre Tereza de Calcutá in São Paulo
Statusreport 1 (Juni 2008)

Die Kindertagesstätte „Madre Tereza de Calcutá“ liegt in einem er zahlreichen Randgebiete im Westen São Paulos, in einer großen Favela. Die Menschen, die hier leben, sind sehr arm. Das Durchschnittseinkommen einer Familie liegt bei circa 220 Euro im Monat. Auch im Verhältnis gesehen ist das nicht viel Geld, wenn damit vier bis fünf Kinder versorgt werden müssen.
Die Eltern einer Familie sind oft den ganzen Tag über auf der Arbeit. Der Weg dorthin mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist beschwerlich. Oft dauert es bis zu 3 Stunden, um am Arbeitsplatz anzukommen.
Die Kinder sind tagsüber auf sich allein gestellt. „In vielen Familien war es so, dass die fünfjährigen Mädchen ihre kleineren Geschwister versorgen mussten“, erklärt Padre João.
Hinzu kommen die hohe Gewalttätigkeit in der Region sowie ein starkes Drogenproblem. „Heute wurden acht Jugendliche auf offener Straße erschossen. Sie waren in Drogengeschäfte verwickelt. Man weiß, wer der Mörder ist, wird ihn aber nicht zur Verantwortung ziehen. Oft steckt selbst die Polizei mit in den kriminellen Machenschaften“ – diese Nachricht ist keine Seltenheit.

In der Kindertagesstätte sind derzeit 105 Jungen und Mädchen im Alter von anderthalb bis dreieinhalb Jahren untergebracht. Davon ist ein Kind blind, ein weiteres querschnittsgelähmt. Von montags bis freitags bietet die Einrichtung in der Zeit von 7 bis 17 Uhr eine umfassende Betreuung inklusive einer warmen Mahlzeit. Die Kinder sind in fünf Gruppen aufgeteilt, die jeweils von zwei ausgebildeten Erzieherinnen betreut werden.
Zum Team gehören zwei Köchinnen, eine Sekretärin, eine pädagogische Koordinatorin und eine Reinigungskraft. Diese Voraussetzungen sind Vorgaben der Stadtverwaltung von Embu, die die Kindertagesstätte durch monatliche Zuschüsse unterstützt. Insgesamt wurden 15 neue Arbeitsplätze für Menschen aus der Umgebung geschaffen. Als Direktor arbeitet Padre João zusätzlich mehr als acht Stunden in der Kindertagesstätte.
Regelmäßig besucht ein Arzt die Einrichtung. „Viele Kinder leiden an Infektionskrankheiten, die durch mangelnde Hygiene oder Unterernährung verursacht werden“, erklärt João Gomes Moreira, „durch die regelmäßige ärztliche Betreuung konnten wir bereits vorbeugende Maßnahmen treffen.“
Neben dem Betreuungsangebot für Kinder, gibt es weitere generationsübergreifende Projekte in der Tagesstätte. Jeden Samstag findet in den Räumlichkeiten von acht bis 13 Uhr eine Art Nachhilfeunterricht für Jugendliche statt. Die Schüler und Schülerinnen sind im Alter von 16 bis 30 Jahren und bereiten sich in den Fächern Mathematik, Portugiesisch, Englisch, Spanisch, Geschichte und Biologie auf die Aufnahmeprüfung an der Universität vor. Betreut werden sie von sechs Freiwilligen.
Für die Erwachsenen gibt es von Montag bis Donnerstag im Zeitraum von 19.30 bis 22 Uhr einen Alphabetisierungskurs (bisher 15 Teilnehmer). Dieser wird von einer Dame geleitet, die eine Vergütung von umgerechnet 80 Euro pro Monat erhält.

Für die Zukunft sind weitere Projekte in Planung, die sich speziell mit der Förderung von Familien sowie der Bildungsverbesserung auseinandersetzen.
„Der Bürgermeister von Embu, einem Vorort São Paulos, hat uns die Bezuschussung von 60 Kindern zugesagt. Mit diesem Geld können wir jedoch lediglich die Löhne der Angestellten bezahlen. Für die Zukunft benötigen wir dringend weitere sanitäre Anlagen. Bisher steht den 82 Kindern nur eine Toilette mit Waschbecken zur Verfügung. Das ist das reinste Chaos. Zusätzlich müssen wir über eine Erweiterung der Räumlichkeiten nachdenken. Wir können derzeit nicht einmal die Hälfte aller bedürftigen Kinder aufnehmen“, beschreibt Padre João Gomes Moreira die aktuelle Situation.

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